Berufsbild

Wofür bildet die Schule aus?

Die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe vermittelt eine umfassende Allgemeinbildung und eine intensive fünfjährige Berufsausbildung, die schwerpunktmäßig zur Ausübung von gehobenen Berufen mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit in den Bereichen

 

Tourismus, Wirtschaft,
Ernährung, Kultur und Verwaltung

 

befähigt. Während der Ausbildung wird großer Wert auf den Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie Persönlichkeitsbildung, Fähigkeit der beruflichen Mobilität, Kreativität, Kritikfähigkeit und soziales Engagement sowie Kommunikationsfähigkeit gelegt. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Schulung der Fähigkeit, betriebliche Organisationsprobleme unter Einsatz moderner Hilfsmittel zu lösen. Neben der Berufsausbildung erwerben die Absolventen der Höheren Lehranstalt bzw. Absolventen der Aufbaulehrgänge mit dem Ablegen der Reifeprüfung auch die Voraussetzung für ein Studium an Hochschulen, Universitäten, Akademien und Fachhochschulen.

Kollegs für wirtschaftliche Berufe (Zugangsvoraussetzung: Reifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung gem. § 8c SchOG) führen zum Bildungsziel einer Höheren Lehranstalt und schließen mit einer Diplomprüfung ab.

Auf Grund ihrer fundierten schulischen beruflichen Ausbildung erhalten Absolventen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe oft Zugang zu Tätigkeiten, die jenen entsprechen, wie sie von Absolventen postsekundärer Ausbildungsgänge (ein-, zwei- oder dreijährige berufliche Ausbildungen nach Ablegung der Reifeprüfung) häufig ausgeübt werden. Auf Grund der Länge und Intensität der Berufsausbildung sowie der Verantwortung, die die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt übernehmen, wird ein Ausbildungsabschluss auf Diplomniveau der 2. Richtlinie (92/51/EWG) erworben.


Für den Berufseinstieg im Bereich der unselbstständig Beschäftigten ist es für die Absolventen wichtig, dass das Berufsausbildungsgesetz unter anderem für den Bereich des Arbeitsrechtes, einschließlich der Kollektivverträge, einen Mindeststandard vorsieht. Vor allem in Branchen, deren Kollektivverträge hinsichtlich der Einstufung am Arbeitsplatz auf Lehrberufe abstellen und nicht auf Schulausbildungen beziehungsweise nicht alle facheinschlägigen Schulformen enthalten, gilt das Reifeprüfungszeugnis einer Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe auch als Nachweis einer mit einer facheinschlägigen Lehrabschlussprüfung abgeschlossenen beruflichen Ausbildung.

Eine Zuordnung bestimmter „facheinschlägiger“ Lehrabschlussprüfungen zu den einzelnen berufsbildenden Schulen ist jedoch gesetzlich nicht normiert. Aus den Zugängen der Absolventen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe zu den Befähigungsnachweisen für die im Vergleich zur schulischen beruflichen Ausbildung einschlägigen Gewerbe kann jedoch auf die Facheinschlägigkeit geschlossen werden.

Für unselbstständige Tätigkeiten werden zumindest jene beruflichen Qualifikationen vermittelt, die etwa dem Berufsbild eines/einer

 

* Hotel- und Gastgewerbeassistent/in
* Restaurantfachmann/frau
* Koch/Köchin 
* Bürokaufmann/frau


entsprechen, womit die Voraussetzung zu einer entsprechenden Einstufung am Arbeitsplatz gegeben ist.


Darüber hinaus wird die durch die Ablegung der Reife- und Diplomprüfung gegebene höhere berufliche Bildung sowohl für unselbstständige Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich als auch im Bereich der Tourismusberufe entsprechend zu berücksichtigen sein.

Ungeachtet dieser gesetzlichen Bestimmungen, die für den Fall des Zustandekommens eines Arbeitsvertrages gelten, steht es im Ermessen des potentiellen Arbeitgebers und des potentiellen Arbeitnehmers, ein Arbeitsverhältnis zu begründen oder nicht. 

Für Absolventen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, die die Lehrabschlussprüfung in einem Lehrberuf, der nicht der schwerpunktmäßigen Ausbildung der Schule in vollem Umfang entspricht, ablegen wollen, oder für Schüler, die die Ausbildung an der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe nach Vollendung des 16. Lebensjahres abbrechen, besteht die Möglichkeit der weiteren Ausbildung in einem Lehrverhältnis unter Anrechnung der schulmäßigen berufsorientierten Ausbildung auf die festgesetzte Lehrzeit im Ausmaß von maximal der Hälfte der Gesamtlehrzeit (für 3-jährige Lehrberufe daher maximal 1 1/2 Jahre). Die Anrechnung erfolgt auf Antrag in Verbindung mit der Anmeldung des Lehrvertrages auf Grundlage eines Gutachtens des Landes-Berufsausbildungsbeirates (siehe § 28 Abs. 3 Berufsausbildungsgesetz). Voraussetzung für diesen Antrag ist daher, dass bereits eine entsprechende Vereinbarung mit einem konkreten Lehrbetrieb vorliegt. 




Tätigkeiten als unselbstständig Erwerbstätiger



Als unselbstständig Beschäftigte werden Absolventen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe mit entsprechender Berufserfahrung u. a. eingesetzt als:

 

* Hotel- und Gastgewerbeassistent
* Umweltberater
* Catering Manager
* Restaurantleiter
* Kongress- und Tagungsmanager
* Leiter von Tourismusbüros



In den genannten Bereichen sind die Absolventen vor allem in den folgenden Bereichen mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung tätig:

 

* Angebots- und Preisgestaltung
* Planung und Überwachung von Betriebsabläufen
* Beschaffungsmanagement
* Personalmanagement und Mitarbeiterführung
* Marketing und Verkauf
* Organisation des Rechnungswesens
* Investitions- und Finanzierungsplanung und -entscheidung
* Planung und Koordination branchenspezifischen EDV-Einsatzes
* Fachspezifischer Einsatz von Fremdsprachen
* Verhandlungsführung und Vertragsgestaltung
* Veranstaltungs- und Projektmanagement
* Planung und Überwachung von umweltgerechten Ver- und
ENTSORGUNGSKONZEPTEN
* Erstellung von Ernährungs- und Diätkonzepten und Überwachung
der Umsetzung
* Ausstattungs- und Einsatzplanung für Betriebsmittel

 

 

Der Weg in die Selbstständigkeit

Auf Grund der abgeschlossenen schulischen beruflichen Ausbildung ist der Zugang zu verschiedenen gebundenen Gewerben (für die selbstständige Ausübung von Berufen) gegeben, wie beispielsweise zum

* Gastgewerbe: Voraussetzung ist eine zweijährige fachliche Tätigkeit 
   (gem. Befähigungsnachweis für das Gastgewerbe, BGBl. Nr. 19/97);

* Handelsgewerbe: Voraussetzung ist eine einjährige kaufmännische Tätigkeit 
   (gem. Befähigungsnachweis für Handelsagenten und Handelsgewerbe, 
   § 154 GewO 1994, BGBl. Nr. 194/94 i.d.g.F.);

* Handelsagenten: Voraussetzung ist eine einjährige kaufmännische Tätigkeit
  (gem. Befähigungsnachweis für Handelsagenten und Handelsgewerbe, 
   § 154 GewO 1994, BGBl. Nr. 194/94 i.d.g.F.).

Ferner können Absolventen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe nach dem Nachweis fachlicher Tätigkeit und der Ablegung von Befähigungsnachweisprüfungen unter anderem Berechtigungen zur selbstständigen Ausübung der folgenden Gewerbe erwerben:

 

* Reisebüros
* Berater in Versicherungsangelegenheiten
* Versicherungsmakler
* Spediteure einschließlich Transportagenten
* Unternehmensberater einschließlich der Unternehmensorganisatoren
* Vermögensberater und Verwalter von beweglichem Vermögen
* Werbeagenturen
* Immobilienmakler
* Immobilienverwalter
* Personalkreditvermittler
* Inkassoinstitute
* Berufsdetektive
* Bewachungsgewerbe
* Überlassung von Arbeitskräften



Prüfungsteil Unternehmerprüfung

Gemäß Unternehmerprüfungsordnung, BGBl. Nr. 453/93 i.d.g.F. entfällt die Unternehmerprüfung für Absolventen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe.